Erfahrungsaustausch 2020 virtuell

Liebe ehemaligen und aktuellen Patientinnen und Patienten der Fachklinik Klosterwald! Liebe Freunde!

einen herzlichen Gruß aus dem Klosterwald zum Erfahrungsaustausch 2020 lesen Sie hier:

Erfahrungsaustausch 2020 Anschreiben Klinikleitung

 

Wir laden Sie also herzlich zu einem virtuellen Erfahrungsaustausch ein. Die bisher eingegangenen Rückmeldungen geben wir hier mit herzlichem Dank an die Schreiber werter.

 

Liebes Team der Klosterwaldklinik,

leider findet das jährliche Treffen in diesem Jahr nicht statt. Mein Name ist Joachim Hübscher und ich war vor fünf Jahren bei Ihnen. Habe damals sogar meinen 60 Geburtstag in der Klinik gefeiert. Rückblickend möchte ich mich heute bei allen Mitarbeitern für ihre Arbeit bedanken. Das Team hat mir den Weg zu einem Leben in Abstinenz geebnet und ich bin heute so dankbar darüber das ich diesen Weg gegangen bin. Immer wieder denke ich an die vielen Stunden in der Klinik als ich dachte schaffst du es oder nicht.

Noch heute, wenn wir uns in der Selbsthilfegruppe treffen ist dieses Thema noch aktuell. Jeder Tag ohne Alkohol ist ein schöner Tag aber man wird auch täglich mit diesem Thema konfrontiert. Ich kann nur bestätigen der Gedanke ein Suchtkranker zu sein beschäftigt mich schon. Meine Familie ist da schon ein starker Anker, sie stand zu jeder Stunde zu mir.

Nun möchte ich wirklich nochmals allen Mitarbeitern und der Leitung der Einrichtung ein großes Dankeschön aussprechen. Bleiben Sie alle Gesund und behalten Sie alle ihre Schaffenskraft. Es lohnt sich von einem Team, wie dem der Klosterwaldklinik begleitet zu werden. Machen Sie weiter so!!!!!

Mit freundlichen Grüßen und bis zum nächsten Erfahrungsaustausch.

Joachim Hübscher

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum diesjährigen Erfahrungsaustausch möchte ich wieder ein paar Gedanken beisteuern. Vor nunmehr über vier Jahren war ich Patient in der Klosterwaldklinik. Als ich die Therapie begann, war ich körperlich auf meinem Tiefpunkt angekommen. Wie sollte ich aus diesem Tal wieder herauskommen? Diese Frage musste ich mir stellen. Es gab zwei Wege.

Der erste Weg hieß: Ich mache so weiter wie bisher und ergebe mich meinem Schicksal mit allen Konsequenzen. Dann hätten alle Recht, die nicht an mich glaubten.

Der andere Weg führte mich auf unbekannte Pfade. Diese zu meistern war die ersten Monate nicht sehr leicht, da ich immer wieder gesundheitliche Rückschläge hatte.

Ich habe mir damals den Leitspruch gesetzt „Geboren um zu Leben“ *)

Im ersten Jahr der Abstinenz versuchte ich das Leben wieder in den gewohnten Griff zu bekommen. Dies gelang mir auch auf der privaten Ebene. Ich fühlte mich wohl, nur beruflich ging es nicht so richtig voran. Dort legte man mir viele Stolpersteine aus. Ich stolperte jedoch nicht in meinem Vorhaben abstinent zu bleiben. Im Jahr 2018 meldete ich mich das erste Mal beim Erfahrungsaustausch zu Wort und berichtete von meinem Weg. Zum Gottesdienst sprach mich dann eine Frau an. „Als ich dich gesehen habe, lief es mir kalt den Rücken herunter.“ Sie konnte sich an mich im Jahr 2016 erinnern. In zwei Jahren Abstinenz hatte sich vieles geändert. Dieses Erlebnis wiederholte sich mehrfach auf meinen Weg und zeigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin und bestärkte mich in meinem Handeln.

Beim Erfahrungsaustausch 2019 sprach ich kurz über meine „Zeitreise“ *) bis dahin. Ich hatte drei Jahre Abstinenz geschafft und hatte viele kleine Dinge des Lebens neu gelernt, die in Vergessenheit geraten waren. Leider war ich beruflich immer noch nicht weitergekommen. Dort war ein gewisser Stillstand eingetreten. Da ich auf meinem neuen Weg nicht zum Stillstand kommen wollte, zog ich auch berufliche Konsequenzen.

Im diesjährigen Erfahrungsaustausch möchte ich dort weiter machen, wo ich vergangenes Jahr aufhörte und habe mir wieder einen Text von Unheilig ausgeborgt. Dieses Jahr möchte ich ein paar Textzeilen aus „Mein Berg“*) meinen Gedanken zu Grunde legen. Im Text lautet es:

Hab meinen Berg vor Augen

Er ist da, zu jeder Zeit

Ich gehe ihn ständig hoch

Und fühle mich klein.

Ich denke nach über mein Leben

Heute kann ich Vieles klarer sehen

Ich hatte immer nur den Gipfel vor Augen

Und so viel verpasst auf meinem Weg dorthin

Ab heute will ich vieles ändern und handeln

Sehe meinen Berg und meinen Weg

Ich will nicht nur glücklich am Gipfel sein

Sondern auch auf Meinem Weg dorthin*)

Also bin ich meinen neuen Weg, in Richtung Gipfel des Berges, weitergangen. Ich hatte noch viele Ziele, die ich erreichen wollte und so dachte ich darüber nach, wie ich meinen Aufstieg weiter gestalten könnte. Ein gewisser Mut gehört dazu, den Arbeitgeber mit über fünfzig zu wechseln, aber ich sah keine vernünftige Alternative. Somit entschied ich für mich, diesen Schritt zu gehen. Heute kann ich sagen, auch dieser Schritt hat sich gelohnt.

Bei meinem neuen Arbeitgeber fand ich wieder eine berufliche Zukunft und kann mich täglich in neue Aufgaben einbringen. Ich werde wieder gebraucht und fühle mich im neuen Team wohl. Meine direkten Vorgesetzten haben Kenntnis von meiner Erkrankung und fanden es stark, dass ich nunmehr abstinent lebe. Für alle anderen trinke ich halt keinen Alkohol und es wird auch akzeptiert.

Ein Suchtverlangen habe ich schon lange nicht mehr und kann auch bei dienstlichen und privaten Zusammenkünften gut damit umgehen, wenn andere Bier, Wein usw. trinken. In den letzten Monaten bin ich auch noch ein Stück weiter auf meinem Weg gekommen. Ich konnte ohne Probleme den Führerschein der großen Klassen (CE/DE) wieder erteilt bekommen. Alle, die mich noch von 2016 her kennen, können sich das sicherlich nicht vorstellen, dass heute keine gesundheitlichen Bedenken mehr bestehen. Aber es ist so und darüber bin ich sehr glücklich.

Um diesen Weg auf den Gipfel des Berges zu gehen, habe ich sicherlich viel Willen, Unterstützung und Glück gehabt. Heute kann ich als Resümee sagen: der neue Weg hat sich gelohnt und ich möchte mein altes Leben nicht wieder zurück. Ich bezeichne mich als zufriedenen, abstinent lebenden Menschen. Meine Erfahrungen bringe ich auch bei Veranstaltungen in der eigenen und in anderen Selbsthilfegruppen ein. Leider erreicht man nicht jeden Menschen und kann ihn dazu bewegen, über einen neuen, anderen Weg nachzudenken und ihn einzuschlagen. Ich kann aus eigenen Erfahrungen sagen, dass sich ein Leben ohne Alkohol lohnt und kann jeden nur darin bestärken, diese Entscheidung zu treffen.

Abschließend möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik bedanken, die mir geholfen haben, den Anfang zum neuen Weg auf den Berg zu finden. Ein besonderer Dank gilt Frau Saul-Boock meiner Therapeutin.

Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig

Harald Pontow

*) Quelle: Lyrics Unheilig

 

 

 

Erfahrungen der letzten Jahre seit „Trockenlegung“ vom Alkohol

Ich finde es schade, dass dieses Jahr mein lieb gewordener Erfahrungsaustausch durch die Pandemie mit Corona nicht stattfindet. Ich wäre dieses Jahr zum 10. Mal dabei gewesen. Ich stehe dieses Jahr bei den Fragen auf: Wer ist 10 Jahre trocken? Und: WER IST HEUTE TROCKEN?

2011 stand ich zum ersten Mal mit zitternden Knien am Rednerpult. Die hätte ich bestimmt dieses Jahr auch wieder gehabt. Ich bin froh, dass ich im Jahr 2010 meine Entgiftung durchgeführt habe. Die Langzeittherapie 2011 gab mir den letzten Rest, dass ich mit Erfolg sagen kann, abstinent vom Alkohol zu leben. Im November 2019 habe ich mich dann doch getraut, Internet zu benutzen. Dadurch bin ich in verschiedene Gruppen in sozialen Medien von Alkoholikern gelangt, die wie Selbsthilfegruppen im öffentlichen Bereich sind. Es ist schon wichtig für mich, mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt zu treten, die dieselbe Krankheit haben wie ich. Mir hilft es sehr. Auch kann ich meine eigenen Erfahrungen an andere Menschen weitergeben, die noch nicht so lange frei vom Alkohol sind.

Mike Blume

 

 

Sehr geehrter Damen und Herren,

schade, daß dieses Jahr der Erfahrungsaustausch ausfällt. Ich selber war von März bis Juni 2006 in der Klosterwaldklinik und habe nur gute Erfahrungen dort gemacht. Ich war in einer psychischen Ausnahmesituation. Meine Nichte, an der ich sehr gehangen habe, beging  Suizid mit 19 Jahren. Das habe ich einfach nicht verkraftet und bin in eine solche Situation gekommen. Aber das Beste ist ich habe dort meinen Mann kennengelernt. Er ist die Liebe meines Lebens und so hatte die „schlechte“ Zeit auch was sehr Gutes. Der dreimonatige Aufenthalt hat mir gezeigt, was wichtig im Leben ist. Seitdem ist mein Mann und ich, trocken und wir genießen jeden Tag miteinander.

Viele liebe Grüße und hoffentlich im nächsten Jahr beim Ehemaligentreffen.

Ihre A.W.