Wenn Du einem geretteten Trinker begegnest,
dann begegnest du einem Helden.
Es lauert in ihm schlafend der Todfeind.
Er bleibt behaftet mit seiner Schwäche
und setzt seinen Weg fort durch eine Welt der Trinkunsitten,
in einer Umgebung, die ihn nicht versteht,
in einer Gesellschaft, die sich für berechtigt hält,
in jämmerlicher Unwissenheit auf ihn herabzuschauen,
als auf einen Menschen zweiter Klasse,
weil er es wagt, gegen den Alkoholstrom zu schwimmen.
Du sollst wissen:
Er ist ein Mensch erster Klasse!
Friedrich von Bodelschwingh
Jeweils fünf Minuten vor acht Uhr treffen wir uns in der Fachklinik
zur Tageseinstimmung. Die beginnen wir mit fünf Minuten Stille.
Für jeden Tag ist jemand bestimmt, der in die Stille hinein
sein Wort des Tages spricht.
Hier finden Sie eine unvollständige Sammlung dieser Denkanstöße.
Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird,
aber soviel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
Jeder Heilige hat eine Vergangenheit
- und jeder Sünder eine Zukunft.
Es gibt erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche.
Dietrich Bonhoeffer
Trocken bleibt, wer dafür dankt.
Ernst Herhaus
Man kann das Leben nur rückwärts verstehen,
leben kann man es nur vorwärts.
Sören Kierkegaard
Was hülfe es dem Menschen,
wenn er die ganze Welt gewönne
und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Matthäus 16,26)
Wir würden heute sagen:
Was hast du davon, wenn du immer der Größte bist,
aber du kommst mit deinem Leben einfach nicht zurecht?
Der Patient Herbert R. trug zu seiner Entlassung dieses selbst geschriebene Gedicht vor. Er willigte in die Veröffentlichung ein.
Vorgestern: Verzweiflung
Ich kann kaum noch glauben
trau' nicht mehr meinen Augen
trau' nicht mehr meinen Ohren
nichts ist wie geschworen
die Gefühle verdreht
der Ärger erregt
die Wut-Glut bebt
Gestern: Am Ende
Ich bin zu erschöpft, um aufzugeben
und kann auch so nicht mehr weiterleben
nur noch leben vom Vergeben?
das ist doch kein Leben!
Heute: Erwachen
Ich hab' mir neues Vertrauen geliehen
von meinem war nichts mehr übrig geblieben
ich hab' versucht, auf der Schussfahrt zu wenden
um nicht in der Katastrophe zu enden
ich hab' mich geschoben
hab' meinen Stolz verbogen
habe die Lüge betrogen
und mich an jeder Hoffnung hochgezogen
Morgen: Dankbarkeit
Ich bin froh, dass es mich immer noch gibt
ich bin froh, dass mich immer noch jemand liebt
ich lass wieder neu mein Leben von Licht durchfluten
lass mich wieder neu erwärmen von Liebesgluten
Mein Verdruss hat sich in Freude verkehrt
und mir ist die Lust am Leben vermehrt
Dem Alkohol konnt' ich den Rücken zukehren
er wird hinfort nicht mehr mein Leben aufzehren

Bahnhofstraße 33