
Beim Eröffnungsmeeting
Zum nun bereits fünfzehnten Erfahrungsaustausch waren ca.460 ehemalige Patienten, Angehörige und Freunde in unsere Fachklinik gekommen. Die Plenumsitzung am Vormittag begann mit der schon traditionellen Begrüßung durch den Geschäftsführer Christoph Lasch. Dieser konnte in der gut gefüllten Halle in viele erwartungsfrohe Gesichter sehen.
Die Klinik war festlich geschmückt, und die Küche sowie viele zusätzliche Helfer hatten eine reichhaltige, liebevoll gestaltete Versorgung vorbereitet.
Auch das Ritual der Anerkennung hatte seinen festen Platz zum Auftakt des Ehemaligentreffens. Hier wurden die Patienten geehrt, die von einem Tag bis zu über zwanzig Jahren ohne Alkohol leben. Eine ermutigende Erfahrung.
Impulsreferat „Veränderung ist möglich“
Das Impulsreferat zum Tagesthema hielt Therapeut Matthias Thuß. Dabei stellte er fest, dass uns vor allem in der kommerziellen Werbung Veränderungen als leicht und schnell machbar angepriesen werden. Doch eine kleine Kapsel, die uns den Diäterfolg verspricht oder neue Möbel, mit denen bei uns ein neues Lebensgefühl einziehen soll, stehen nicht für echte, innere Veränderungen. Diese gehen auch nicht leicht und schnell vonstatten, sondern erfordern Geduld und sind mitunter auch schmerzhaft. Matthias Thuß lies seine Impulse mit einem Zitat von Mahatma Gandhi ausklingen: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst!"
Erfahrungen werden ausgetauscht
Das anschließende Plenum bot dann, moderiert von den beiden Therapeuten Jana Saul-Boock und Olaf Szakinnis, erste Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.
Der ehemalige Patient, der zuerst das Wort ergriff, war extra von seiner Arbeitsstelle in Finnland angereist, um diesen Tag miterleben zu können. Ein anderer berichtete, dass er seit 18 Jahren ohne Alkohol lebt. Seinerzeit war er im Rollstuhl in die Klinik gekommen. Jetzt stand er- augenscheinlicher Beweis für mögliche Veränderungen – fest auf seinen beiden Beinen vor dem Plenum. Ein Gast betonte, wie wichtig gerade kleine Veränderungen des Verhaltens sind, wie z. B., sich an bestimmte Regeln zu halten. In dem sehr lebendigen und vielfältigen Erfahrungsaustausch wurde mehrfach berichtet, dass der dauerhafte Anschluss an unterschiedliche Selbsthilfegruppen den ständig weitergehenden Veränderungsprozess begleitet, sichert und ihm immer wieder neue Anstöße gibt.
Der Basar der Ergotherapie, ein Bücherverkauf in der Bibliothek, eine Trommelgruppe von Kindern und Jugendlichen, die in der Mittagszeit auftrat, boten Möglichkeiten, die Mittagspause nicht nur mit den vielfältigen lukullischen Angeboten auszufüllen. Wesentlich waren natürlich, wie immer, die vielen Begegnungen und Gespräche, die sich überall ergaben.
Für die mitgereisten Kinder wurde wieder ein breites Spiel- und Bastelangebot in der Kirche am Klosterwald bereit gehalten.
Die ehemaligen Patientinnen und Patienten der Fachklinik aber auch deren Angehörige hatten am Nachmittag in kleineren Gruppen dann wieder Gelegenheit, den Erfahrungsaustausch konzentriert fortzusetzen.
Abschluss im Plenum
Der vor kurzem neu eingeführte Chefarzt der Fachklinik, Herr Christoph Kern, übernahm die Tradition seiner Vorgängerinnen und rundete diese festliche Veranstaltung durch ein Referat zum Thema ab. Veränderungen, so führte er aus, seien Zeichen des Lebens. Dennoch scheuen wir uns vor Veränderungen, versuchen sie zu vermeiden oder erleben solche, die von Außen auf uns zukommen als Bedrohung. Darum, so Chefarzt Kern weiter, erleben wir oft unvermeidliche Veränderungen nur so, dass wir auf sie reagieren, statt sie selbst agierend zu suchen. Wir benötigen Mut, Hoffnung und Disziplin sowie ein konkretes Ziel, um aktiv Veränderungen herbeizuführen. Auch Herr Kern schloss sein Referat mit einem Zitat: „Willst du dein Land verändern, verändere deine Stadt! Willst du deine Stadt verändern, verändere dein Haus! Willst du dein Haus verändern, verändere dich selbst!" (Ein arabisches Sprichwort)
Gottesdienst am Sonntag – „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“
Mit diesem Bibelwort aus dem Lukasevangelium begann am Sonntagmorgen der Gottesdienst zum Abschluss des Erfahrungsaustausches. Ihn feierten aktuelle und ehemalige Patientinnen und Patienten der Fachklinik gemeinsam mit der Gemeinde der Kirche am Klosterwald, die auf vielfältige Weise mit der Klinik verbunden ist.
Auch der Gottesdienst stand ganz unter dem Thema des Ehemaligentreffens, denn für die nötigen und guten Veränderungsprozesse brauchen wir Ermutigung und einen Halt außerhalb unserer selbst. So betonte Pastor Eric Söllner in seiner Predigt zu Joh 8,1-11 das große Vertrauen, das Gott in uns setzt. Ganz anders als wir, die wir uns und andere gern an dem festmachen, was misslingt und fehl geht, traut Gott uns Veränderung zum Guten zu, führte Pastor Söllner aus. Mit diesem Vertrauen gewinnen wir Mut, Veränderungen anzugehen.
Im Gottesdienst, den der Chor der Klosterwaldkirche mitgestaltete, hatte auch die Fürbitte für aktuelle und ehemalige Patientinnen und Patienten ihren Platz, genau so wie das Gedenken an die Verstorbenen.
Unter der Verheißung, dass Gott unser Leben durch Veränderungen segnet, spannte der Gottesdienst an seinem Ende den Bogen aus bis zum Erfahrungsaustausch im Jahre 2011. Von welchen Veränderungen können wir wohl berichten, wenn wir uns dann wiedersehen?
Nach mehr als 18 Jahren Tätigkeit in der Fachklinik Klosterwald, davon 10 Jahre als leitende Ärztin, wurde Frau Petra Krombholz in einer Feierstunde am 3. Juni in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Gäste kamen zusammen, um mit ihr auf die gemeinsame Zeit zurückzublicken. Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Ensmble "Akut" in dem ihr Sohn mit drei ärztlichen Kollegen besinnliche Lieder zu Gehör brachte. Frau Chefärztin Kromholz ist außerdem als Künstlerin überregional bekannt geworden. Sie verbaschiedete sich deshalb mit einer Ausstellung "Wetterchaos", die noch bis Ende Juli in der Fachklinik Klosterwald zu besichtigen ist.
In der Feier am 3. Juni wurde gleichzeitig Herr Christoph Kern als neuer Chefarzt in sein Amt eingeführt. Herr Kern ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und seit 2003 in der Fachklinik Klosterwald als Oberarzt beschäftigt.








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